The »Ace of Screens«

Sinnesentzug des Unterbewusstseins

Vom Zeitalter der physikalischen Realität zur Bildschirm-basierten repräsentativen Realität.

Einleitung

Das menschliche Unterbewusstsein ist die Brücke zwischen unserem Körper – einer biologischen Einheit – und unserem Geist, dem Zentrum unserer Wahrnehmung und Gedanken. Über Jahrtausende hinweg war unsere Erfahrung der Welt direkt und ganzheitlich: Alles, was wir sahen, hörten oder berührten, hatte eine echte, greifbare Existenz.

Doch mit der modernen Technologie hat sich diese Erfahrung verändert. Bildschirme ermöglichen es uns, Bilder und Geräusche wahrzunehmen, die echt wirken, aber keine physische Substanz haben. Dadurch entsteht ein neues Phänomen: der Sinnesentzug des Unterbewusstseins – eine Störung darin, wie unser tieferes Bewusstsein Sinneseindrücke verarbeitet.

Um dies besser zu verstehen, unterscheiden wir zwei Arten der Wahrnehmung:

Indem wir diese beiden Zustände vergleichen, können wir erkennen, wie Bildschirme unsere Wahrnehmung beeinflussen und warum sie das Unterbewusstsein von wichtigen Sinneseindrücken „aushungern“.

Die Rolle des Unterbewusstseins bei der Sinnesverarbeitung

Im Alltag nimmt unser Unterbewusstsein eine Vielzahl von Signalen auf – Temperatur, Atmung, Körperspannung, den Raum um uns herum, kleinste Gesichtsausdrücke oder den Rhythmus der Sprache anderer Menschen. Diese Signale sind uns oft nicht bewusst, beeinflussen aber dennoch unsere Gefühle, unsere Intuition und unsere Entscheidungen.

Ein gutes Beispiel ist das erste Treffen mit einer unbekannten Person. Wir nehmen diese Begegnung nicht nur mit unseren Augen und Ohren wahr – unser ganzer Körper reagiert. Vielleicht verändert sich unser Herzschlag, unsere Atmung wird schneller oder langsamer, wir spüren die Körperwärme der anderen Person, ihre Nähe oder eine gewisse „Ausstrahlung“. Diese Eindrücke entstehen durch Körperwärme, minimale Bewegungen und unbewusste Signale, die Menschen austauschen.

Hierbei entsteht eine gegenseitige emotionale Verbindung – unser Unterbewusstsein nimmt die Stimmung der anderen Person auf und reagiert darauf. Freude, Anspannung oder Unsicherheit übertragen sich, ohne dass ein einziges Wort gesprochen werden muss. Das ist Präsenz-Wahrnehmung – eine direkte, körperliche und emotionale Erfahrung.

Die Veränderung durch Bildschirm-Wahrnehmung

Wenn wir eine Person über einen Bildschirm sehen, fehlt dieser körperliche Austausch. Wir hören ihre Stimme und sehen ihre Mimik, aber die tiefere Sinneserfahrung bleibt aus. Es gibt keine gemeinsame räumliche Präsenz, keinen Austausch von Energie, keine Anpassung des Atemrhythmus aneinander.

Dies ist Repräsentations-Wahrnehmung – eine Wahrnehmung, die nur in eine Richtung funktioniert. Wir empfinden vielleicht Emotionen beim Betrachten eines Videos oder Fotos, aber unser Körper bleibt unbeteiligt. Unser Unterbewusstsein spürt, dass etwas fehlt – es erhält nur einen Bruchteil der Informationen, die es normalerweise verarbeiten würde.

Die Folgen des Sinnesentzugs

Wenn wir zu oft mit Bildschirmen anstelle von echten Begegnungen interagieren, kann das langfristige Auswirkungen haben:

  1. Verringerte emotionale Sensibilität – Wer sich an rein visuelle und digitale Kommunikation gewöhnt, kann Schwierigkeiten bekommen, reale soziale Interaktionen vollständig zu erfassen. Echte Begegnungen können entweder überfordernd wirken oder weniger intensiv erscheinen, weil die gewohnte, künstlich gesteuerte Bildschirm-Darstellung fehlt.
  2. Gefühlsentkopplung – Emotionen entstehen normalerweise durch echte Erlebnisse, bei denen unser Körper beteiligt ist. Doch bei Bildschirm-Wahrnehmung fehlt diese körperliche Reaktion: Unser Herzschlag verändert sich nicht wirklich, unsere Atmung bleibt stabil. Dadurch können Emotionen oberflächlicher wirken oder uns weniger berühren.
  3. Veränderte Wahrnehmungs-Gewichtung – Unser Unterbewusstsein bevorzugt normalerweise reichhaltige Sinneseindrücke. Doch wenn wir uns zu sehr an Bildschirme gewöhnen, könnten wir beginnen, visuelle und auditive Reize überzubewerten, während andere Sinneseindrücke wie Berührung, Raumgefühl oder Körperwärme in den Hintergrund rücken.

Zerstreuung und unruhige Aufmerksamkeit

Ein weiteres Problem der Repräsentations-Wahrnehmung ist die Zerstreuung der Aufmerksamkeit. Wenn wir in der echten Welt mit jemandem sprechen, hält unser Unterbewusstsein uns wachsam. Wir registrieren die kleinsten Veränderungen in der Körpersprache oder im Tonfall.

Bei Bildschirm-Interaktionen hingegen ist diese Wachsamkeit oft gestört. Wir tauchen einerseits in die digitale Welt ein, wissen aber gleichzeitig, dass es nur eine Projektion ist. Dadurch kann unsere Aufmerksamkeit hin- und herspringen, und wir nehmen Erlebnisse nicht mehr mit derselben Intensität wahr.

Ein Beispiel dafür ist das Schauen eines emotionalen Films. Wir fühlen vielleicht Trauer oder Mitgefühl, aber unser Körper reagiert nicht in dem Maße, wie er es in einer echten Begegnung tun würde. Das kann auf lange Sicht dazu führen, dass wir Gefühle immer weniger mit realen Erfahrungen verbinden – und dass echte Emotionen blasser oder schwächer erscheinen.

Fazit

Die zunehmende Nutzung von Bildschirmen hat tiefgreifende Auswirkungen auf unsere Wahrnehmung. Während digitale Medien viele Vorteile bieten – von Unterhaltung über Bildung bis hin zur globalen Kommunikation – führen sie auch zu einem Sinnesentzug des Unterbewusstseins.

Unser Unterbewusstsein braucht reichhaltige, direkte Sinneseindrücke, um die Welt vollständig zu erfassen. Bildschirme bieten jedoch nur einen Ausschnitt der Realität – sie sind intensiv für Augen und Ohren, aber sie vernachlässigen Berührung, Raumgefühl und das körperliche Erleben von Emotionen.

Das bedeutet nicht, dass Bildschirm-Wahrnehmung schlecht ist. Doch um unser emotionales und körperliches Gleichgewicht zu bewahren, sollten wir bewusst darauf achten, auch echte, sinnliche Erfahrungen in unseren Alltag einzubauen. Denn nur durch das direkte Erleben bleibt unser Unterbewusstsein voll mit der Realität verbunden.